Sonderpreis Handel für FAIRbinden

Der mit 5000 Euro dotierte Sonderpreis im Rahmen des IHK-Wettbewerbs “Ab in die Mitte” ging nach Torgau. Geehrt wurde damit die Idee für das Projekt “FAIReinigt – Tradition begegnet Vielfalt”.

Den Menschen, die ihre Heimat verloren haben, möchten wir mit FAIRbinden gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Aber wir zeigen damit auch, dass wir mit FAIRbinden Chancen für unsere Stadt entwickeln und regionale Kreisläufe aufbauen können.

FAIReinigt

Jurybewertung, vorgelesen von Herr Grundmann:
Durch das Projekt soll gemeinsam mit den Einwohnern die Integration von Migranten und Flüchtlingen verbessert werden. Gerade vor dem Hintergrund der Aktualität dieser Thematik hat sich die Jury für die Prämierung entschieden. Besonders beeindruckte die breite Einbeziehung der Bürgerschaft in das Projekt. Durch die drei Elemente “FAIRpflanzen”, “FAIRmarkten” und “FAIRbinden” soll interkulturelle Vielfalt erlebt sowie bürgerschaftliches Engagement gefördert werden. Insgesamt betrachtet dient das Projekt einer Stärkung der Willkommenskultur. Mit dem diesjährigen Sonderpreis würdigt die Jury dieses integrative Projekt.

Für das Projekt “FAIReinigt- Tradition begegnet Vielfalt” erhält die Stadt Torgau den Sonderpreis “Handel” im Wert von 5.000 Euro – Herzlichen Glückwunsch!

Ab in die Mitte 2015

Zu Beginn der Abschlussveranstaltung durfte ich als zweiter Redner nach Oberbürgermeisterin Romina Barth die Gäste aus ganz Sachsen begrüßen. Ich nutze diese Redemöglichkeit für den Gedanken der “Gemeinwohl-Ökonomie”:

Im August 2010 veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung eine Umfrage.
Der zufolge wünschen sich 88 Prozent der befragten Menschen in Deutschland eine neue Wirtschaftsordnung.
9 von 10 Menschen wünschen sich ein anderes Modell!
9 von 10 Menschen.

Was sagt uns das?

Immer mehr Menschen wird bewusst, dass wir nicht nur voneinander isolierte Krisen erleben, sondern das Finanzblasen, Arbeitslosigkeit, ungleiche Vermögensverteilung, Klimaerwärmung, der Hunger in der Welt, Energiekrise, Sinnkrise, Wertekrise, Flüchtlingsströme und auch die Konsumkrise im innersten zusammenhängen.

Sie sind Symptome einer umfassenden Systemkrise.

Zeitungen und Fernsehen sind voll von diesen Missständen.

Hier an diesem geschichtsträchtigen Ort frage ich mich:
Was würde Martin Luther heute sagen?
Würde er schweigen?
Würde er mit einstimmen in den Chor:
“Das Boot ist voll.” oder gar “Deutschland den Deutschen”?

Wie würde er antworten auf die Fragen unserer Zeit?
Wären es ähnliche Antworten wie in seinem Schreiben vom 18. Juni 1524 an Johann Friedrich – dem Großmütigen von Sachsen?
Oder wie in seiner Schrift aus dem Jahr 1540 “An die Pfarrherrn, wider dem Wucher zu predigen”?

Das was Martin Luther damals sah, sehen wir heute noch viel deutlicher.
Er sah es bereits in seinen Anfängen.

Die kapitalistisch geprägte Marktwirtschaft ist am Auslaufen.
Die Marktwirtschaft selbst ist es nicht.
Den Austausch von Waren und Dienstleistungen wird es immer geben.

Die entscheidende Frage, damals wie heute, lautet:
In welche Richtung soll die Reise gehen?
Soll alles etwas ökologischer und nachhaltiger werden?
Soll es regionaler und krisenfester werden?
Soll unsere Marktwirtschaft sozialer und gerechter werden?
Soll der Fokus von Wettbewerb auf Kooperation schwenken im Sinne einer solidarischen Ökonomie?
Soll die Würde des Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden?
Brauchen wir mehr Wirtschaftsdemokratie?
Gibt es Werte jenseits von Angebot, Nachfrage und ewigem Wachstum?

Die Antwort darauf ist:
Es darf und soll von allem etwas mehr sein.
Mehr sein als heute.

Und der beste Begriff, der diese Werte und Ziele ins sich vereint, ist das Gemeinwohl.

Aristoteles sagte einst:
“Der Zweck des Wirtschaftens sei das gerechte Gute.”

Eine wirklich gute Idee, die wir auch in unserem Grundgesetz wiederfinden.

Artikel 14 Absatz 2:
“Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.”

Die Menschen, die sich hier und heute bei “Ab in die Mitte” zusammengefunden haben, sind geeint in einer Zielsetzung, der Allgemeinheit dort zu dienen, wo sie zu Hause sind. Sie sind von einer Sache fasziniert und erfüllt, sich ihr hinzugeben und in ihr aufzugehen. Sie sind auf der Suche nach Win-Win-Situationen für ihre Orte und sie teilen ihre Ideen in diesem Wettbewerb mit uns allen.

Primär geht es bei “Ab in die Mitte” nicht um Konkurrenz.

Wir erleben menschliche Werte, die uns auch unsere Alltags- und Freundschaftsbeziehungen gelingen lassen. Werte wie Respekt, Zuhören, Teilen, Wertschätzung, gegenseitige Hilfe, Offenheit, Vertrauen und Kooperation.

Die freie Marktwirtschaft beruht auf den Systemspielregeln Gewinnstreben und Konkurrenz. Diese Anreize fördern Egoismus, Gier, Neid und Missgunst.

Ist es nicht merkwürdig, dass in der heutigen Wirtschaftsordnung ganz andere Werte gelten als in unseren alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen?

Mit diesen Gedanken begrüße ich Sie recht herzlich in Torgau und wünsche Ihnen eine angenehme und interessante Zeit bei “Ab in die Mitte”.

Quellen:
Bertelsmann-Umfrage “Bürger wollen kein Wachstum um jeden Preis”
Christian Felber “Gemeinwohl-Ökonomie”
Heiner Geißler “Was würde Jesus heute sagen?”
Adolf Damaschke “Geschichte der Nationalökonomie. Eine erste Einführung.”

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